Statements

Gemeinsame Presseaussendung von ÖVP, Grünen und NEOS zur Unterschriftenaktion „Linz liebt sein Theater“

Initiative „Linz liebt sein Theater“ übergab 21.603 Unterschriften an ÖVP, Grüne und NEOS
 
Mittwochfrüh nahmen Vize-Bürgermeister Bernhard Baier, Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer (beide ÖVP), Grünen-Stadträtin Eva Schobesberger und NEOS-Gemeinderätin Elisabeth Leitner-Rauchdobler 21.603 Unterschriften der Initiative „Linz liebt sein Theater“ vor dem Alten Rathaus entgegen. ÖVP, Grüne und NEOS sprechen sich damit klar gegen die einseitige Auflösung des Theatervertrags durch die Stadt Linz aus, die am Donnerstag im Linzer Gemeinderat auf der Tagesordnung steht.
 
„Der Weg kann nur ein Miteinander, keinesfalls ein Gegeneinander sein. Schließlich endet die kulturelle Entwicklung von Linz nicht an ihren Stadtgrenzen. Das Aus für den Theatervertrag wäre ein massiver kulturpolitischer Rückschritt und der Tunnelblick von SPÖ und FPÖ in dieser Frage ein großer Schaden für die Stadt“, so Vize-Bürgermeister Bernhard Baier (ÖVP) in Richtung SPÖ-Bürgermeister Klaus Luger. Diese Haltung sei langfristig gesehen eine Einbahnstraße.


„Wir brauchen mehr Zusammenarbeit zwischen Stadt und Land und kein Konkurrenzdenken beim Kulturangebot. Es ist fahrlässig, die über Jahrzehnte positiven, nachhaltigen Veränderungen als Kulturhauptstadt Linz zu gefährden. Die Bevölkerung würde es nicht verstehen, wenn Stadt und Land getrennte Wege gehen“, sagt Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer (ÖVP).


Baier und Lang-Mayerhofer sprechen sich klar für Reformen im Kulturbereich aus, aber in Form von mehr Zusammenarbeit und einer längst überfälligen Kulturholding von Land und Stadt. Die ÖVP wird daher in der Gemeinderatssitzung einen Antrag dazu einbringen.


„Die Kündigung des Theatervertrages schadet der Stadt. Das ist ein kulturpolitisch katastrophales Signal und sicher nicht hilfreich, wenn es um Verhandlungen über eine grundlegende Verbesserung der Zahlungsströme zwischen Stadt und Land geht“, sagt Grünen-Stadträtin Eva Schobesberger, deren Fraktion eine „Aktuelle Stunde“ zum Theatervertrag in Gemeinderat eingebracht hat.


„In dieser Sache werden politische Grabenkämpfe auf dem Rücken der Kultur ausgetragen. Hier braucht es aber ein klares Bekenntnis zur Kulturhauptstadt Linz und zur Vielfalt der hier angebotenen Kulturstätten, und das schließt das Landestheater mit ein.  Eine gute, zukunftsorientierte, dauerhafte und gemeinsame Lösung muss das Ziel sein, und das rasch: ein neuer Vertrag wäre ein schönes Weihnachtsgeschenk“, so NEOS-Gemeinderätin Elisabeth Leitner-Rauchdobler.

Statement des ehemaligen Chefdirigenten des Bruckner Orchester Linz, Martin Sieghart

Acht Jahre habe ich mit großer Begeisterung als Chefdirigent in Linz wirken dürfen. Ich schreibe bewusst "in Linz", denn das war und ist die selbstverständliche Assoziation, wenn man von Landestheater oder BOL spricht.
Dass Linz sich nun zurückziehen könnte, scheint mir undenkbar. Nicht nur wegen des Schadens, der die Damen und Herren, die dort arbeitet betrifft, sondern auch zum Schaden von Linz. Denn dass dann wohl Konsequenzen von Seite des Landes zu erwarten sind, liegt auf der Hand.

 

Es ist also höchste (Advent)-zeit, sich zusammen zu setzen und einen gemeinsamen Weg zu finden. Es darf Kunst nicht zum Politikum werden.

 

Ich habe nach meiner aktiven Zeit sehr schnell meinen Lebensmittelpunkt in Oberösterreich gefunden und werde hier auch bleiben. Warum? Weil in diesem Land und seiner Hauptstadt die Tugend des Gesprächs in aller Direktheit aber auch Fairness Tradition hat.

 

Und diese Tradition bitte ich dringen zu bewahren.

Martin Sieghart

Statement des ehemaligen GMD Dennis Russell Davies

Die Aufbauarbeit der letzten Jahrzehnte, getragen von Generationen von Theaterschaffenden beim Landestheater Linz und im Bruckner Orchester, wird durch einen Federstrich finanziell schwer gefährdet. Es ist bitter, das mit ansehen zu müssen.

Schon nach drei Jahren im neuen Musiktheater hatten wir bei den Besuchern die Millionengrenze überschritten; die Menschen in Linz und im ganzen Land haben durch eine eindrucksvolle „Volksabstimmung mit den Füßen“ gezeigt, wie sehr sie unsere Arbeit schätzen. Ich kann daher Stadt und Land nur nachdrücklich auffordern, an den Verhandlungstisch zurückzukehren um gemeinsam eine Lösung zu finden, die der nationalen und internationalen Bedeutung unserer beiden - neben Ars Electronica und den Museen - wichtigen Kulturinstitutionen gerecht wird.

Dennis Russell Davies

Offener Brief des ehemaligen Intendanten Rainer Mennicken an MitarbeiterInnen des Landestheaters Linz

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

wann immer ich gefragt werde, wie es mir in meinen zehn Linzer Jahren ergangen ist, antworte ich, dass ich dabei sein durfte, als dort Weltoffenheit und kulturelles Leben enorme Fahrt aufnahmen.

 

Wenn jemand Genaueres wissen will spreche ich über das Kulturhauptstadt-Jahr, das AEC, das Lentos und - die Schwierigkeiten auf dem Weg der Errichtung des Musiktheaters. Ich spreche über die Vorbehalte, die es in Politik und Medien gab. Ich spreche über Ressentiments in der Bevölkerung gegenüber der so genannten Hochkultur, ich spreche über die Skepsis in den Leitmedien gegenüber einem Projekt, das überdimensioniert sei - und von den bislang Verantwortung tragenden Direktoren niemals auf das erforderliche Niveau für dauerhaften Erfolg befördert werden könne…

 

Was wurde uns nicht für ein Absturz nach einer Eröffnungs-Saison prophezeit, in der das oberflächliche Interesse am Neuen wie ein Strohfeuer verbrennen würde… Wir alle wissen, was daraus geworden ist: ein Quantensprung im Theaterleben einer Stadt, die sich hunderttausendfach in ihrem kulturellen living room (Architekt Terry Pawson) zuhause fühlt. Es ist ein dauerhafter Erfolg eingetreten, der nicht allein auf den wunderbaren Spielstätten des Landestheaters, sondern substanziell auf dem Programm-Konzept (5-Sparten) und den Leistungen der Ensembles und Abteilungen beruht. Damit wurde eine satte Verdoppelung der Einnahmen des Landestheaters gegenüber 2012 erzielt - ist das jedem klar? Soll das nun auf’s Spiel gesetzt werden?

 

Nach den bereits verordneten Budgetkürzungen durch die Landesregierung erscheint es nicht wirklich verantwortungsbewusst und solidarisch, wenn Bürgermeister Luger jetzt den gesamten Betrieb und sein Publikum in hellste Aufregung versetzt… mit dem Nebeneffekt, dass die alten Ressentiments wieder hochkochen … Auch wenn sich seine Initiative nicht direkt gegen das Theater richtet, richtet sie Schaden an. Andererseits lohnt es sich, zu kämpfen: die Debatte um die Lastenverteilung zwischen Stadt und Land gehört alle Jahre wieder zum politischen Alltag. Hoffen wir, dass sie auch dieses Mal endet wie zuvor: mit der Rückkehr zur Vernunft - zum Wohle der Stadt, des Landes Oberösterreich und der Künste, die erheblich dazu beitragen, dass Linz verändert..

 

Grüße aus dem Norden!

Rainer Mennicken

Intendant und Geschäftsführer

Internationale Gluck-Festspiele 2019


Offener Brief des Vereins Freunde des Linzer Musiktheaters

an Bürgermeister Klaus Luger

Sehr geehrter Herr Bürgermeister MMag. Luger!
 
Mit großem Befremden musste ich Medienberichten entnehmen, dass Sie den Theatervertrag der Stadt Linz mit dem Land Oberösterreich durch Beschluss des Linzer Gemeinderats am 6. Dezember 2018 kündigen lassen wollen.


Der „Verein Freunde des Linzer Musiktheaters“ hat fast 30 Jahre darum gerungen, dass in der Landeshauptstadt Linz und damit im Land Oberösterreich ein Musiktheater errichtet wird. Seit der Eröffnung am 11. April 2013 ist es Rainer Mennicken, Hermann Schneider, Dennis Russell Davies und Markus Poschner gemeinsam mit mehr als 1.000 MitarbeiterInnern und KünstlerInnen gelungen, das modernste Musiktheater Europas national und international als innovative und besuchenswerte Spielstätte zu etablieren und das Bruckner Orchester Linz als Spitzenorchester zu positionieren. Dies stellen die hervorragenden Besucherzahlen über Stadt- und Landesgrenzen hinaus eindeutig unter Beweis.


Wenn nun durch äußerst hinterfragenswürdige stadtinterne Überlegungen die Finanzierung eines großen Unternehmens und bedeutenden Arbeitsgebers in der Stadt Linz in Frage gestellt wird, sind die negativen Auswirkungen sowohl betrieblich als auch künstlerisch aus Sicht der Freunde des Linzer Musiktheaters nicht abzuschätzen und der Ruf der Stadt Linz als Hotspot für Kultur und Weltoffenheit gefährdet.


Ohne auf die finanziellen Überlegungen der Stadt Linz eingehen zu wollen, darf nicht vergessen werden, dass die Stadt Linz selbst im Rahmen der Umwegrentabilität von einem prosperierenden Landestheaterbetrieb mit seinen BesucherInnen und MitarbeiterInnen einen großen finanziellen Vorteil lukriert.


Als Präsident des „Vereins Freunde des Linzer Musiktheaters“ und Bürger der Stadt Linz fordere ich Sie daher auf, den von Ihnen angekündigten Schritt der Kündigung des Theatervertrages zurückzunehmen und in konstruktiven Gesprächen mit den Vertretern des Landes Oberösterreich die Qualität und Zukunft der Spielstätten des Landestheaters und des Bruckner Orchesters Linz als gemeinsame Kultureinrichtungen von Stadt Linz und Land Oberösterreich zu gewährleisten.


Hochachtungsvoll
Reg. Rat. Peter Rieder
(Präsident)
Verein „Freunde des Linzer Musiktheaters“
www.musiktheater.at

Statements und Kommentare von Künstlern und Institutionen

Dr. Clemens Hellsberg

Die Vorgänge um den Theater- und Orchestervertrag, die ich aus der Ferne, aber mit größtem Interesse verfolge, schockieren mich in doppelter Hinsicht: Als jahrzehntelang international tätiger Musiker weiß ich um den einzigartigen Ruf, den Österreich in kultureller Hinsicht weltweit genießt. Es ist meiner Erfahrung nach von eminenter Bedeutung, dass sich dieses Ansehen nicht auf Wien, die Salzburger und Bregenzer Festspiele beschränkt, sondern auch die großartigen Leistungen einschließt, die in allen Bundesländern auf dem Gebiet der Musik erbracht werden. Die Kündigung des Theatervertrages würde somit dem Ansehen von Linz schaden, in weiterer Folge aber auch den Ruf des Musiklandes Österreich beeinträchtigen.

Die Kündigung des Theatervertrages schmerzt mich ferner aus einem emotionalen Grund: Als gebürtiger Linzer bedauere ich zutiefst, dass diese Stadt, der ich mich verbunden fühle, ihre unerhörten Möglichkeiten nicht nützt, um ein führende internationales Kulturzentrum zu werden. Das neue Opernhaus und das Brucknerhaus sind Spielstätten ersten Ranges, das Brucknerorchester ist ein Spitzenensemble, und Linz war neben St. Florian die erste Wirkungsstätte Anton Bruckners: Allein das geistige Erbe dieses Giganten der Musikgeschichte verpflichtet meine Geburtsstadt und das Land Oberösterreich zu höchsten Anstrengungen auf dem Gebiet der Musik, denen gerecht zu werden allen Verantwortlichen in Politik und Management ein vordringliches Anliegen und eine Ehre sein sollte!

Prof. Dr. Clemens Hellsberg
Primgeiger der Wiener Philharmoniker i. R.
Vorstand der Wiener Philharmoniker von 1997–2014

 

Orchester der Wiener Staatsoper - Betriebsrat

"Das Bruckner Orchester ist ein unverzichtbarer Klangkörper in der österreichischen Kulturlandschaft.

Aufgrund seines internationalen Rufes als Spitzenorchester zieht es viele Gäste und Touristen in das Landestheater sowie zu Konzerten in die Stadt Linz.

 

Jeder Einschnitt in die kulturelle Vielfalt, die das Landestheater Linz mit dem Bruckner Orchester bietet, wäre ein bedauerlicher Verlust für das weit über die Grenzen des Landes bekannte Orchester und das kulturelle Angebot der Landeshauptstadt Linz."

Orchester der Wiener Staatsoper - Betriebsrat

Franz Welser-Möst

"Die Dezivilisierung schreitet ohnehin rasend schnell voran. Kunst ist Nahrung für die Seele."

HK Gruber

"Das Landestheater Linz ist Teil unserer Kultur in Österreich und was wäre Österreich ohne seine Kultur?"